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Sandbank

  • #378
"Auch der stärkste Mann schaut einmal unters Bett."

;)
 
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  • #381


Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold,
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt!

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost verlachen,
weil unsre Augen sie nicht sehen.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß und einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn ihr Brüder
in Gottes Namen nieder.
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.


Matthias Claudius
 
M

Marlene

  • #382
Trostlied im Konjunktiv

Wär ich ein Baum, stünd ich droben am Wald.
Trüg Wolke und Stern in den grünen Haaren.
Wäre mit meinen dreihundert Jahren
noch gar nicht sehr alt.

Wildtauben grüben den Kopf untern Flügel.
Kriege ritten und klirrten im Trab
querfeldein und über die Hügel
ins offene Grab.

Humpelten Hunger vorüber und Seuche.
Kämen und schmölzen wie Ostern und Schnee.
Läg ein Pärchen versteckt im Gesträuche
und tät sich süß weh.

Klängen vom Dorf her die Kirmesgeigen.
Ameisen brächten die Ernte ein.
Hinge ein Toter in meinen Zweigen
und schwänge das Bein.

Spränge die Flut und ersäufte die Täler.
Wüchse Vergissmeinicht zärtlich am Bach.
Alles verginge wie Täuschung und Fehler
und Rauch überm Dach.

Wär ich ein Baum, stünd ich droben am Wald.
Trüg Wolke und Stern in den grünen Haaren.
Wäre mit meinen dreihundert Jahren
noch gar nicht sehr alt...

Erich Kästner (1948)
 
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  • #383
Die Gedanken sind frei

1. Beleget den Fuß
Mit Banden und mit Ketten
Daß von Verdruß
Er sich kann nicht retten,
So wirken die Sinnen,
Die dennoch durchdringen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

2. Die Gedanken sind frei
Wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
Wie nächtliche Schatten;
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Kerker verschließen
Wer weiß, was es sei?
Die Gedanken sind frei.

3. Ich werde gewiß
Mich niemals beschweren,
Will man mir bald dies,
Bald jenes verwehren;
Ich kann ja im Herzen
Stets lachen und scherzen;
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei

4. Ich denk was ich will
und was mich erquicket,
Und das in der Still
Und wenn es sich schicket;
Mein Wunsch und Begehren
Kann Niemand mir wehren;
Wer weiß was es sei?
Die Gedanken sind frei.

5. Wird gleich dem Gesicht
Das Sehen versaget,
So werd ich doch nicht
Von Sorgen geplaget.
Ich kann ja gedenken,
Was soll ich mich kränken?
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

6. Ja fesselt man mich
Im finsteren Kerker,
So sind doch das nur
Vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken
Zerreißen die Schranken
Und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei.

Volksgut
Hoffmann von Fallersleben

https://www.youtube.com/watch?v=8mLiXApfO8s
 
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  • #384
Er ist wieder nah.
Wir spüren seinen heißen, modrigen Atem.
Der Weltenbrand
Wir dachten, er sei gestorben, 1990
Jetzt ist er von der Leine

ein gewissenloser Diktator
und ein infantiler Narrzist
spielen mit dem Erdenball
da ist kein Schiedsrichter, der pfeift

die Waffenhändler reiben sich die Hände
und verwandeln Tod in Kapital

wo ist die Toleranz
wo ist das Verzeihen
aus Haß wird Aggression.

Waffen sind stärker als jeder Gedanke
und Schießen ist leichter als Denken.

strahlende Wüsten
kein Stein auf dem Andern
Menschen zu Asche
effektiv und industriell
und dann kehrt Ruhe ein

FRIEDHOFSRUHE
Darf ich fragen von wem das ist?
Ich frage, weil es mir so haarscharf auf die Gegenwart passt.
Schauerlich gut.
 
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  • #387
Du hast natürlich wie immer recht. Mein Betreuer hat es mir gezeigt und dann versucht zu erklären. Ich habe es zwar nicht kapiert, aber an Hand seiner vergebenen Liebesmüh verstanden, dass es sich um eine enorm wichtige Thematik handeln muss.
Ich denke, du hast sehr wenig Wissen davon und Gefühl dafür, was in anderen Menschen vorgeht. Ich poste prinzipiell nur gestohlene Gedanken, da mir, im Gegensatz zu dir, eine eigene Innenwelt aus gendrischen sowie intellektuellen Gründen völlig abgeht. Leider fehlt es mir daher ebenfalls auch an sprachlicher Spontanietät.
Ich hoffe für dich, dass du dem Grauen nie ausgesetzt sein wirst.
(Ich habe kein passendes Emoji gefunden)
Es wird dir daher zukünftig zwar an Weisheit und und dem süssen Geschmack der Früchte des Baumes der Erkentnis mangeln, jedoch wirst du dafür auf einer Insel der Glückseligkeit leben.
(Ich habe leider kein passendes Emoiji gefunden)
 
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Sandbank

  • #388
Ich denke, du hast sehr wenig Wissen davon und Gefühl dafür, was in anderen Menschen vorgeht. Ich poste prinzipiell nur gestohlene Gedanken, da mir, im Gegensatz zu dir, eine eigene Innenwelt aus gendrischen sowie intellektuellen Gründen völlig abgeht. Leider fehlt es mir daher ebenfalls auch an sprachlicher Spontanietät.
Ich hoffe für dich, dass du dem Grauen nie ausgesetzt sein wirst.
Du wirst morgen sein, was du heute denkst.
Buddha
:D
 
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Sandbank

  • #390
Dreißig Speichen gehören zu einer Nabe,
doch erst durch das Nichts in der Mitte
kann man sie verwenden;
man formt Ton zu einem Gefäß,
doch nur durch das Nichts im Innern
kann man es benutzen;
man macht Fenster und Türen für das Haus,
doch erst durch das Nichts in den Öffnungen
erhält das Haus seinen Sinn.
Somit entsteht der Gewinn
durch das, was da ist,
erst durch das, was nicht da ist.
Laotse