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  • #706
Nicht gesagt
Was von der Sonne zu sagen gewesen wäre
Und vom Blitz nicht das einzig richtige
Geschweige denn von der Liebe.
Versuche. Gesuche. Mißlungen
Ungenaue Beschreibung
Weggelassen das Morgenrot
Nicht gesprochen vom Sämann
Und nur am Rande vermerkt
Den Hahnenfuß und das Veilchen.
Euch nicht den Rücken gestärkt
Mit ewiger Seligkeit
Den Verfall nicht geleugnet
Und nicht die Verzweiflung
Den Teufel nicht an die Wand
Weil ich nicht an ihn glaube
Gott nicht gelobt
Aber wer bin ich dass

Marie Luise Kaschnitz
 
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  • #707
@Bastille
Wie schön noch jemand der Kaschnitz mag
Je weniger ich ihre Gedichte verstehe, desto mehr liebe ich sie.
 
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  • #708
aber immer
wieder
seh ich dich an
will dir
ein kichernest bauen
ins gewölbe der sanften
luft verwilderte gärten
in deine seele
pflanzen heimliche
feuer mit dir teilen
weichgraue kiesel
sammeln auf endlosem
sand such ich winzig
ein blau
zwischen teer und tang
diesen treulos
gestrandeten spuren


s.-k- brodauf
 
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  • #709
Auf die Hände küßt die Achtung,
Freundschaft auf die offne Stirn,
Auf die Wange Wohlgefallen,
Sel'ge Liebe auf den Mund.

Aufs geschloßne Aug' die Sehnsucht,
In die hohle Hand Verlangen,
Arm und Nacken die Begierde;
Überall sonst die Raserei.


Franz Grillparzer
(1791 - 1872), Wiener Hofkonzipist und Burgtheaterdichter
 
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  • #710
Sommer

Im Sommer lebe ich
in den Zweigen der Trauerweide
und neige
mich der Erde zu.
Sacht schwingend in lauer Luft -
Duft
von Blumen und Gras.
In den Zweigen der Trauerweide
lebe ich ohne Zeit.
Des Nachts
schlafe ich ein mit dem Wind -
es sind die Weidensommer,
die mich leben lassen.



D. Heckt-Albrecht
 
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  • #711
zeit gelassen


zeit gelassen
mit lippen und händen
unsere körper
haut um haut
ein wenig
begriffen

landschaften
flüsterten wünsche
drängten behutsam
nach zeit

gelassen bilder
in die fingerspitzen
aufgesogen
mitgenommen
durch die tür
in den
morgen


anette müller
 
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  • #712
wie es wäre -
wie es ist


prinzipien saisonweise
aber heute beginnt
der ausverkauf der
gefühle sonderangebote
in der kunst
des liebens
greifen sie zu
wenn der sommer schliest
gehen wir
scherben lesen






S.-K. Brodauf
 
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  • #713
aufforderung zum geheimnis


horch
in die stille plötzlich
nach dem lärm vorsichtig
öffne die tür langsam
ertaste das grau
das lächeln zu erkennen
die nähe zu suchen jäh
sekundenewigkeit zu finden
auf dem blauen planeten
gegen nassen wind zu laufen
flüsterhaargeheimnis
zartem traum zu folgen












aus Nachthäute von S.-K.Brodauf
 
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  • #714
septembertraum


und dieser sommer hält
sekundenlang den atem an
schöpft zögernd kraft
aus sanften farben steigen
versponnen letzte träume
in die blaue luft vielleicht
zu jenen gärten der semiramis
wo magier und manche zauberengel
uns ihre alten gauklermärchen zeigen



S.-K- Brodauf