akki123

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  • #1

Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Hallo zusammen.
Ich hätte da mal eine Frage,die Frauen und Männer gleichermaßen betrifft.
Rückblickend auf meine bisherigen Beziehungen stelle ich mir die Frage,ob man sich immer den gleichen Typ Mann(bzw.Frau)für eine Beziehung aussucht.
Bei meiner letzten Beziehung war es z.B. so.
Ich wollte nie einen jüngeren Partner,und erst recht keinen Arbeitskollegen als Freund(wegen der Schwierigkeiten beruflich gesehen.)
Nun hatte ich mich anfang des Jahres genau in so ein "Modell"verliebt:)
Er war(nach meiner damaligen Beurteilung)völlig anders,als die Anderen,die ich vor ihm hatte.
Rückblickend und nun realistischer gesehen,hatte ich mir wieder den gleichen Typ Mann ausgesucht,in den ich mich auch die Male davor verliebt hatte.
Nun die Frage an Euch.Ist es bei Euch auch so?.....Steht man halt auf einen Typ Mann ein lebenlang,weil man andere gar nicht in betracht zieht???
Über einen Expertenrat würde ich mich auch sehr freuen.
Vielen Dank für Eure Antworten.
Liebe Grüße
Akki
 
A

authentisch_gelöscht

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  • #2
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Liebe Akki
Ja, ich glaube, das geht vielen Menschen so. Ich kenne dieses Phänomen selbst gut, und ich habe da so eine Erinnerung, dass ich es vor einiger Zeit sogar auch eher genervt hier zum Thema gemacht hatte...
Inzwischen bin ich damit ein bisschen weiter gekommen, jedenfalls fühlt es sich so an. Ich habe mich zwar kürzlich von einem Mann getrennt, bei dem ich dieses Gefühl ganz ausgeprägt hatte. Aber ich habe dabei - endlich! - etwas Wichtiges verstanden, und ich bin nun ziemlich sicher, dass es mir so jetzt nicht mehr geschehen wird, resp. dass ich mich in Zukunft nicht mehr gleich verhalten werde. Gleichzeitig weiss ich, dass es auch für mich bedeutet, meine Verhaltensmuster bewusst zu ändern. Und das ist harte Arbeit.

Aber, liebe Akki, vielleicht verstehst du bisher nicht wirklich, was ich sagen möchte. Ich denke, dass das von dir beschriebene Phänomen zwei bedeutsame Aspekte hat.

Erstens gibt es so etwas wie "Menschentypen" wahrscheinlich gar nicht wirklich. Jeder Mensch ist einzigartig und hat eine unglaubliche Fülle von charakteristischen Merkmalen und Fähigkeiten, aber auch vielen verschiedenen schwierigen Seiten. Wenn uns immer mal wieder bei verschiedenen Menschen dasselbe ganz heftig ins Auge sticht, dann ist das UNSERE Perspektive auf diese Menschen. Wir könnten bei diesen Menschen auf ganz Anderes fokussieren, und andere Leute tun dies vermutlich teilweise auch. Wie wir aber eine Perspektive einnehmen und worauf wir - immer wieder - den Fokus legen, das hat ganz stark mit uns selbst zu tun. Und eigentlich wäre es ein fantastischer Hinweis, ein Fingerzeig sozusagen, auf für uns ganz wichtige Themen. Wir sollten versuchen zu verstehen, dass wir die Welt immer durch unsere ganz einzigartige Brille sehen, und dass die Art, wie wir die Welt interpretieren, ganz unglaublich heftig durch diese Brille geprägt und meist auch ziemlich verzerrt wird. Das ist das eine.

Zweitens, aber natürlich verbunden mit dem ersten Aspekt, ist es so, dass wir selbst unsere - unbewussten - Verhaltensmuster und Orientierungen haben. Wir haben als kleine Kinder, meist aus einer schwierigen Situation heraus, eine individuelle Strategie entwickelt, wie wir für mit dieser Welt am (scheinbar) Besten klarkommen. Es ist nicht leicht, selbst herauszufinden, worin so eine Strategie besteht. Aber das Gefühl, dass wir - für uns fälschlicherweise - immer wieder an die selben Leute gelangen (das muss ja auch nicht in Bezug auf Partnerschaft so sein, es kann auch sein, dass wir immer dieselben doofen Chefs anziehen), hat eine Bedeutung in Bezug auf unser eigenes Verhalten und auf unsere eigene Orientierung! Zur Verdeutlichung mein eigenes Beispiel: Bei mir ist es so, dass ich immer dachte, ich ziehe Männer an, die sich wie kleine Kinder verhalten, Männer, die eigentlich eine Mutter suchen. Ich habe dieses Phänomen in den letzten sieben Monaten wieder ganz ausgeprägt erlebt. Es war von Anfang an da. Trotzdem habe ich mich erst getrennt, als ich verstanden habe, warum dies geschieht. (Es gab einen anderen Auslöser für die Trennung.) Ich glaube zumindest, ich habe verstanden, weshalb ich so ticke. Endlich ist mir ein Licht aufgegangen, wie ich als Kind meine ganz eigene Orientierung entwickelt habe, als Versuch, diese Welt doch noch irgendwie ertragen zu können. Es hat lange einigermassen funktioniert, ich bin jetzt 42, aber ich habe auch immer wieder darunter gelitten. Als kleines Mädchen konnte ich Ungerechtigkeiten überhaupt nicht verstehen und schon gar nicht damit umgehen. Egal ob sie gegen mich oder gegen andere gerichtet waren. (Inzwischen habe ich verstanden, dass das natürlich auch nicht so einfach ist: Gerechtigkeit ist nichts Universelles, sondern eine subjektive Empfindundung aus der eigenen Perspektive heraus, aber das nur nebenbei bemerkt.) Ich habe zunächst so reagiert, dass ich geschrieen habe. Aus Empörung, aus Wut, aus Hilflosigkeit, aus Verzweiflung. Es hat nichts geholfen, ich habe nicht einmal Trost und Verständnis (sondern Bestrafung) geerntet und die Ungerechtigkeit konnte ich nicht einmal ansatzweise aus der Welt schaffen. Als ich nach langem Durchhalten in diesem Muster irgendwann gemerkt habe, dass auch stundenlanges Schreien NIE etwas verändern wird, bin ich verstummt, habe mich ohnmächtig gefühlt und habe mich in meine eigene Welt zurückgezogen. Als 10jähriges Mädchen bin ich auf meinem Schulweg mehrmals auf der Brücke über den Fluss stehen geblieben und habe hinuntergeschaut. Ich wusste nicht, ob ich wirklich sterben würde. Deshalb habe ich es nicht getan. Aber ich habe jeden Abend ganz verzweifelt gebetet, der liebe Gott solle mich doch am Morgen nicht aufwachen lassen. Wie Ihr seht, er hat mich bis heute nicht erhört :). Ich hatte noch viel zu lernen. Der erste Schritt wieder in die Welt hinaus, der erste Schritt in Richtung Kontaktaufnahme mit anderen Menschen und mit dem Zweck, mich gebraucht zu fühlen und wenigstens zu versuchen an der Ungerechtigkeit gegen die anderen etwas zu ändern oder sie zu lindern, statt mich nur ohnmächtig zu fühlen, war, dass ich anfing, mich ganz ausgeprägt um meine kleinen Schwestern zu kümmern und ganz viel Verantwortung für die Familie zu übernehmen. So bin ich in die Mutterrolle hineingewachsen. Ein Muster, das mich in meiner Kindheit rettete, das aber später sehr ambivalent für mich war. Ich habe mich mein Leben lang ganz ausgeprägt um andere gekümmert - sei das in meinem Umfeld oder in Kriegsgebieten - und mich selbst dabei lange Zeit ziemlich vergessen. Ich hatte ein Helfersyndrom entwickelt. Das ist eines meiner grossen Themen und ich bin schon lange daran, zu üben, wie ich am Besten Grenzen setzen kann. Ich bin dabei sehr weit gekommen, denn ich spüre inzwischen sehr rasch, wenn mir etwas eigentlich nicht gut tut und kann oft schon im Voraus Nein sagen. Und ich hatte in letzter Zeit dank meinem Partner ganz viele Möglichkeiten zum Trainieren, denn - obwohl ich mich anderswo schon besser abgrenzen gelernt hatte, war es in einer Partnerbeziehung immer noch ein ausgeprägtes Thema. Vielleicht, weil ich das Ganze immer auf den Mann abwälzte und mich - genau wie du, liebe Akki - fragte: Weshalb ziehe ich nur immer solche Männer an!? Ich habe jetzt verstanden, dass es nicht nur der Mann war, der sich so verhielt, sondern auch ich. Nur wir beide zusammen haben dieses Muster - so stark - entwickelt. Der Mann an meiner Seite wird vielleicht mit einer anderen Frau (aus der Sicht der Frau) ein anderes Muster entwickeln, ausser er empfindet genau dasselbe in gespiegelter Form als sein Problem. Dann wäre es auch sein Thema. Aber es könnte sein, dass er unsere Beziehung und ihr Ende in einem anderen Licht sieht, dass für ihn das dominante Muster ein anderes ist. Weil ER sich mit seinem eigenen Thema auseinandersetzen muss.

Es würde mich sehr freuen, liebe Akki, wenn ich dir mit meinem Beitrag einen kleinen Denkanstoss gegeben hätte.
Ich wünsche dir viel Aufrichtigkeit und Mut!
 

lisalustig

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  • #3
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Sicher gibt es Äußerlichkeiten und Eigenschaften, auf die man "besonders abfährt". Und diese sind dann auch in den vorhergehenden oder jeweiligen Beziehungen wiederzufinden. Eben weil man sie gut findet. Ob sie einem allerdings auch gut tun, ist eine andere Geschichte.

Viele Charaktereigenschaften und Persönlichkeitstrukturen zeigen sich erst im näheren Kennenlernen. Stellt sich dann heraus, dass diese einem eben nicht guttun, kann man versuchen, ein tolerierbares Maß zu finden oder muss Konsequenzen ziehen.

Es gibt allerdings Menschen, die aus ihrem "Schema" nicht heraufinden und eben immer wieder in der Persönlichkeitsstruktur (und oft auch im Aussehen) ähnliche Partner haben (z. B. bei Frauen den Macho oder den, der eine neue Mami sucht). Da kann man dann wohl auch nicht helfen....
 

akki123

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  • #4
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Liebe Authentisch.
Vielen Dank für Deinen Beitrag.Der hat mich in der Tat sehr zum grübeln gebracht.Vielleicht sucht man wirklich aus einer Prägung heraus.Aber wie kann man dieser Prägung ausweichen?Wie hast Du es geschafft?Ich werde versuchen mich selbst zu hinterfragen,warum ich was mache und wie ich vielleicht auf andere wirke.
Gar nicht so einfach.Ich hoffe,daß ich es irgendwann doch noch schaffe.Falls Du noch Tip's für mich hast,wäre ich sehr dankbar.
Liebe Grüße
Akki
 

akki123

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  • #5
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Liebe Lisalustig.
Eigentlich war ich der Ansicht,daß ich nach einer gescheiterten Beziehung(die nicht immer nett waren)mir einen anderen Typ Mann gesucht habe,weil ich das Erlebte auf keinen Fall wiederhaben wollte.
Leider waren alle unehrlich zu mir und teilweise auch zu sich selbst.
Auch äußerlich haben sich alle unterschieden.Ich stehe also nicht z. B. nur auf braungebrannte Südländer oder so.
Ehrlich...ich weiß nicht woran es liegt!L
Liebe Grüße
Akki
 
A

authentisch_gelöscht

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  • #6
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Liebe Akki
Danke für deine Antwort auf meinen Beitrag. Ich finde es wunderbar, dass du so aufrichtig bist. Ich weiss, es braucht viel Offenheit, auf das einzugehen, was einem andere zu sagen versuchen, und vor allem viel Mut, zu beginnen, genau bei sich selbst hinzuschauen. Du darfst stolz auf diesen ganz wichtigen Schritt sein. Und dankbar für diese Offenheit und diesen grossartigen Mut.
Nun ist es vermutlich so, dass es - wie fast immer für alle - keineswegs leicht ist, seine eigenen Muster zu erkennen, und dass, wenn du dich ernsthaft auf diesen Weg machst, es auch eine Weile dauern wird, bis du merkst, dass du anfängst, dich stark zu verändern. Du brauchst Geduld und du musst bereit sein, viel Zeit zum Reflektieren und viel Kraft zum Bearbeiten von altem Schmerz aufzuwenden.
Ich denke, der Weg ist für alle immer individuell. Ich kann dir nur sagen, was bei mir geholfen hat. Einen Teil davon habe ich auch früher hier schon mit Euch geteilt. Vielleicht suchst du mal nach meinen alten Threads hier drin? Da kannst du einen wichtigen Teil meines Prozesses mitverfolgen. Ich habe mich damals sehr auf das eingelassen, was die anderen ForistInnen mir geschrieben haben. Damals habe ich eigentlich alle Beiträge als sehr wohlwollend und echt mitdenkend und aufrichtig erlebt. (Z.B. in dem Thread, in dem es um meine Wirkung auf Männer ging, und der mir sehr half, meine Einstellung zu Äusserlichkeiten zu überdenken und mich diesbezüglich anders zu verhalten, indem ich das zu leben versuchte, was eigentlich schon immer in mir angelegt war, was ich aber aus alten Verletzungen heraus verdrängt und irgenwie abgespalten hatte. Such mal nach dem Thread "Sich selbst bleiben oder den Wünschen der Männermehrheit entgegenkommen?" Dieses offene und so wohlwollende und verständnisvolle gemeinsame Nachdenken fand ich wunderbar. Ich habe es später aber auch erlebt, dass mich jemand sehr angegriffen hat (es wurde immer wieder auf meinem Pseudonym herumgehackt, ohne dass diese Foristin versucht hätte, mich zu verstehen und sich wirklich auf das einzulassen, was ich zu sagen versuchte. Vielleicht tue ich ihr ja Unrecht, aber ich empfand das nicht als wohlwollend, sondern als eine Inszenierung, um ihre Überlegenheit zu zeigen. In meinen Augen hat sie selbst damals nie versucht, sich zu hinterfragen, während ich mich gequält habe... Sie hat von sich kein Bisschen mehr preisgegeben als ihre intellektuelle Stärke, die ich sehr schätze, aber es gibt noch anderes im Leben...), und das war eine ziemlich schlimm - und ich glaube auch nicht wirklich hilfreich für mich. Es hat mich damals an den Rand einer Krise gebracht. Es ist also wichtig, wenn du hier drin ganz offen sein möchtest, so wie ich das damals gemacht habe, dass du dann auf dich hörst und zu spüren versuchst, bei welchen Beiträgen die Schreibenden es gut mit dir meinen und sich aufrichtig auf dich einlassen, und wo es zu weit führt. Ich denke, es wäre wichtig, wenn du mit Menschen, die dich kennen und denen du vertrauen kannst, anfängst über das Thema zu sprechen. Denn sie werden dir nicht Dinge vorwerfen, von denen jeder, der dich kennt, sehen kann, dass es NICHT dein Problem ist. Ich habe immer sehr offen mit vielen Menschen gesprochen. Und, nebenbei bemerkt, dadurch auch ganz wichtige Freundschaften schliessen oder stärken können.
Was mir auch sehr geholfen hat, war ein Einführungskurs in Individualpsychologie (das ist die psychologische Denkschule, die einst Alfred Adler begründet hat). Wenn du dank der Hilfe anderer Menschen langsam deiner Orientierung (die IndividualpsychologInnen sprechen von Lebensstil, aber Achtung, es ist nicht genau das gemeint, was man sonst darunter versteht!) auf die Schliche kommst, dann hast du vielleicht auch für andere Lebensbereiche einen grossen Schritt getan.
Aber, wie gesagt, jeder Weg ist vermutlich sehr individuell. Vielleicht beginnst du auch eine Therapie. Für eine Therapie muss man sich nicht schämen, man darf stolz sein, dass man den Mut hat, dazu zu stehen, dass man sich um sich selbst kümmert und auch bereit ist, Hilfe dabei zu suchen!
Wenn du magst, kann ich versuchen, dir ein paar weitere Denkanstösse zu geben, aber dazu müsstest du mir noch mehr darüber sagen, wie du das empfindest bei deinen Partnern. Was genau geschieht dir immer wieder? Wie verhalten sie sich und was stört dich dabei? Wie reagierst du jeweils? Weisst du, weshalb du so reagierst? Kannst du dir vorstellen, dass andere Menschen anders reagieren würden? Vielleicht fragst du einfach mal jemanden in deinem Umfeld: erzähl eine konkrete Situation, die dich sehr genervt hat. Und frag dann, wie andere in dieser Situation reagieren würden. Was würden sie dabei denken und fühlen? So fängst du vielleicht an, zu verstehen, was mehr mit dir als mit den Partnern zu tun hat. Es ist wichtig, sich selbst immer ganz viele Fragen zu stellen. Wenn du dich andern gegenüber öffnest und von dem erzählst, was dich beschäftigt, was dir weh tut, was du dir wünschst, dann erhältst du meist fantastische Gelegenheiten, dich distanzierter und aus einer anderen Perspektive betrachten zu können. Ausserdem kannst du dabei üben, aufrichtig mit dir und anderen zu sein, und gelassener auf allfällige Kritik zu reagieren. Du kannst lernen zu unterscheiden zwischen dem Gesagten, das wirklich etwas mit dir zu tun hat, und dem, was der andere nur aus seiner eigenen Verletzung und seinem eigenen Schmerz heraus auf dich loslässt. Das ist ganz hilfreich in einer späteren Beziehung :)...
So, ich hoffe, dass dich das etwas weiter bringt. Auf jeden Fall möchte ich dir Mut machen, in diese Richtung weiterzugehen. Es lohnt sich, auch wenn es manchmal einen schmerzhaften Prozess braucht!
 
G

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  • #7
OT

@authentisch, schön, von dir zu lesen.

Zitat von authentisch:
Ich habe es später aber auch erlebt, dass mich jemand sehr angegriffen hat (es wurde immer wieder auf meinem Pseudonym herumgehackt, ohne dass diese Foristin versucht hätte, mich zu verstehen und sich wirklich auf das einzulassen, was ich zu sagen versuchte. Vielleicht tue ich ihr ja Unrecht, aber ich empfand das nicht als wohlwollend, sondern als eine Inszenierung, um ihre Überlegenheit zu zeigen. In meinen Augen hat sie selbst damals nie versucht, sich zu hinterfragen, während ich mich gequält habe... Sie hat von sich kein Bisschen mehr preisgegeben als ihre intellektuelle Stärke, die ich sehr schätze, aber es gibt noch anderes im Leben...), und das war eine ziemlich schlimm - und ich glaube auch nicht wirklich hilfreich für mich. Es hat mich damals an den Rand einer Krise gebracht.

Interessant, dass du es so siehst. Woher kommt denn dein Muster, dass ein Hinterfragen „quid pro quo“ sein müsste? Es scheint, als könntest du Hilfe nicht annehmen, wenn der andere nicht ebenfalls „sein Inneres in die Welt ergießt“. Warum empfindest du das als Inszenierung? (ich habe es als sehr wohlwollend wahrgenommen; vermutlich ist das der berühmte „blinde Fleck“). Offensichtlich ist dir die „Enge“ deiner Auslegung, authentisch zu sein, gar nicht bewusst.
 

Heike

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  • #8
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Es ist eher unwahrscheinlich, dass man anläßlich von ein paar Postings einer einem nicht näher bekannten Foristin an den “Rand einer Krise” gerät, wenn sie nicht einen wunden Punkt bei einem berühren würden. Da kann man, wenn man will, sich was holen. Oder aber es auch, menschlich unaufrichtig, abwehren.
So dient die Frage nach der Motivation des anderen in vielen Fällen ja eher der Abwehr des Inhalts dessen, was er schreibt. Übrigens, meiner Erfahrung nach stilisieren sich Menschen am stärksten, wenn sie von ihren Motiven sprechen, etwas zu tun. Da zeigen sie eher, was sie gerne wären und wie sie wahrgenommen werden möchten, aber weniger, aus welchen Gründen und Motiven sie wirklich etwas tun. Diese Erkenntnis könnte ein Grund sein, eher zurückhaltend mit überschwenglichen markigen Aussagen über die eigenen Motive zu sein. Für mich beispielsweise ist das ein Grund.
Solche groben Stilisierungen bedienen sich übrigens oft des Mittels der Kontrastierung. So wie im obigen Post. Da gibt es anderen Foristen, die alle wohlwollend sind. Und man selbst, der völlig wohlwohlend ist und aufrichtig und bereit ist, für die Selbsterkenntnis auch Schmerzen auszuhalten. Und da gibt es da aber eine Foristin, die ist nicht wohlwollend, und der mangelt es auch Selbstreflexion und diesem berüchtigten Selbsthinterfragen und die führt sicherlich nur übles im Schilde, die will sich nur inszenieren undso. Also ich glaub an so etwas sollte man doch wirklich sehen können, wie man da stilisiert und konstruiert - und Stilisierung muß übrigens nichts Böses sein. Aber schon in einem fiktionalen Text würde ich bemerken, dass diese Stilisierung da doch etwas grob und unglaubwürdig ist. Umso mehr in Anwendung auf reale Personen, und seien es nur Foristen. Und noch mehr, wenn sie ständig flankiert wird vom Selbstverständnis, ja nicht zu stilisieren und so aufrichtig und authentisch zu sein. Dann bleibt der Schluß, dass die Stilisierung nicht beim Übergang der Erfahrung zum mitteilenden Post erfolgt, sondern schon die Erfahrung selbst von Stilisierungen durchsetzt ist. Das ist sicherlich auch die interessantere und heiklere Inauthentizität.

Glaubwürdiger als der Vorwurf, ich legte die Finger an eine Stelle, wo ja gar keine Wunde sei, schiene mir hier der Vorwurf, ich legte den Finger in die Wunde.
Ich würde antworten, dass ich das hier vorzugsweise bei Foristen tue, die in hohem Maße und mit markigen Worten für sich Selbstreflexion, Aufrichtigkeit, Wahrheitsliebe, Mut, Stärke usw. in Anspruch nehmen und anderen das entweder eher abstreiten oder ihnen dringlichst dazu raten. Die nehme ich beim Wort.
Ich verstehe natürlich gut, wenn das nicht so gefällt. Und wenn das als schmerzvoll empfunden wird. Ich weiß auch, dass Menschen, die viel davon reden, dass sie durch den Schmerz zur Erkenntnis gehen und das anderen anempfehlen, nicht unbedingt auch tatsächlich eine höhere Bereitschaft haben müssen, dies zu tun. Wieweit sie es tun, das zeigt sich ja eher am Tun und bemißt sich weniger am Ausmaß versichernder Worte, man halte das ja für so wichtig und tue es.
Sicherlich fühlt sich jemand, dessen Selbstbild in einem nicht nur peripheren (das immer gern, das sichert einem ja gerade das Selbstverständnis, so offen und flexibel zu sein!), sondern zentralen Punkt nicht übernommen wird, unverstanden. Aber in meinem Sprachgebrauch ist jemanden zu verstehen nicht identisch damit, dessen Selbstbild und seine möglichen Selbstbetrügereien einfach zu übernehmen. Aber ich weiß schon, dass andere das anders sehen mögen. Was einem wirklich hilft, ist eine andere Frage.

Zum Thema: den Hinweis, dass eine Auseinandersetzung damit, an welchen Typen man hängenbleibt, schmerzvoll sein kann, find ich wichtig. Selbstverständlich gilt auch, dass es schön ist, wenn einem was gut tut. Schwierig wird es, beides zugleich berücksichtigen. Denn beides reibt sich ja. Was schmerzvoll ist, tut einem in einer bestimmten Hinsicht ja nicht gut. Und oft tut einem in einer bestimmten Hinsicht momentan gut, was sich dann im Rückblick als schwierig herausstellt. Das ist ja genau das Threadthema. Deswegen gerät man ja an bestimmte Typen: weil die einem in einem bestimmten Punkt erstmal gut tun, passen. Wenn sich öfter im Nachhinein herausstellt, dass sie einem doch nicht so gut getan haben, dann kann es angebracht sein, herauszukriegen, welche Bedürfnisse von einem sie erfüllen und welche nicht, also wo sie einem gut tun und wo nicht, und wie der eigene Bedürfnisapparat beschaffen ist, dass es da mit schöner Regelmäßigkeit zu solchen Reibungen kommt. Also dass der in sich gewissermaßen “widersprüchlich” ist. Und wenn man da einiges erfahren hat, kann man sich auch daran machen rauskriegen, was einem auf längere Sicht “wirklich” gut tut, auch wenn es insbesondere zunächst mit einigem Schmerz und Ungemacht verbunden ist.
Dafür gibt es keinen Trick. Da hilft ein isolierter Blick aufs Darmgefühl ebenso wenig wie einer in den Kaffeesatz. Da muß schon die ganze Person beteiligt sein, mit allem, was sie so hat, Kopf, Herz, Bauch, Schultern, Wirbelsäule, Hände, Füße usw. Leben halt.
 
A

authentisch_gelöscht

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  • #9
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Liebe Heike

Danke, dass du dir die Mühe nimmst, nochmals so ausführlich auf unseren alten Konflikt einzugehen. Ich gebe aber zu, und das ist vielleicht genau das, was ich daraus lernen musste und weshalb es für mich durchaus Sinn machte, dass ich an den Rand einer Krise kam, dass ich im Moment nicht genau lesen möchte, was du geschrieben hast, weil ich spüre, dass es mir nicht gut tun würde und es vielleicht auch für dich wenig sinnvoll wäre. Ich habe nämlich das intuitive Gefühl, dass wir nur weiterhin aneinander vorbeischreiben würden, obwohl ich schon denke, dass auch du etwas lernen könntest, wenn du dich mehr auf meine Argumentation einlassen würdest. Aber es ist doch so, dass wir andere nicht ändern können. Wir können nur Anregungen geben dazu, aber verändern (wollen) muss sich jede und jeder selbst und auf seine eigene Weise. Eigentlich würde ich dich - wenn schon - lieber einmal treffen, statt mit dir per Mail zu streiten. Es könnte sein, dass das unsere Sichtweise aufeinander verändern würde.

Entschuldige, dass ich das Thema überhaupt angesprochen habe, meine Absicht war jedoch eine andere, nämlich Akki darauf aufmerksam machen, dass es einem nicht immer nur gut tun kann, wenn man sich auf alles einlässt. Ich habe daraus gelernt, fürsorglicher mit mir selbst umzugehen und mich lieber mal nicht einzumischen.

Einen schönen Nachmittag!
 
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  • #10
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Rückblickend waren die meisten schon von einem bestimmten Wesen..

Ich mache es dann mal kurz: im Wesen gegensätzlich, mit gemeinsamen Interessen, dann noch die mir unverzichtbare Anziehung - durchaus in der Reihenfolge - und dann hat das gute Chancen.

DbC
 

Lilly29

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  • #11
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

@akki123
Mir hat bisher geholfen, bei mir zu schauen, welche Einstellungen ich von außen angenommen habe (z.B. ich will keinen Arbeitskollegen als Partner, weil...) und welche Grundüberzeugungen ich habe (z.B. ich bin nur etwas wert, wenn ich anderen helfen kann.) Diese Grundüberzeugungen sind es, die uns dazu bewegen, letztlich einen "bestimmten Partner" zu wählen, weil wir unsere Grundüberzeugungen bedienen wollen.

Ergänzung:
Wenn mir dann bewusst ist, welche Grundüberzeugung ich habe, dann kann ich anfangen, sie zu hinterfragen, wenn ich merke, dass sie mir nicht gut tut z.B.
 
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carlo

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  • #12
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Zitat von Lilly29:
... Diese Grundüberzeugungen sind es, die uns dazu bewegen, letztlich einen "bestimmten Partner" zu wählen, weil wir unsere Grundüberzeugungen bedienen wollen. ...

Genau ! Und das vertrackte daran ist, dass uns diese eben nicht alle so bewusst sind.

Warum finden wir denn den/die eine/n spontan attraktiv - den/die andere/n nicht?

Wenn wir immer wieder den gleichen Typ auswählen - und ich verstehe den Zusammenhang hier so, dass es um den Fall einer nicht glückhaften Wahl geht - dann kann uns das retrospektiv auf die Spur eines Musters bringen, das wir uns mal angucken sollten. Ich finde aber diese ex-post-Betrachtungen immer ein wenig schwierig, vor allem in so komplexem Terrain. In der Rückschau scheint einem Vieles so klar.....

Gleichzeitig ist ja nicht immer nur der andere für das Unbill in unseren Beziehungen verantwortlich. Vielleicht liegt ja auch viel in uns. Und dabei auch in unserer Bereitschaft glücklich zu sein. Wenn wir das nicht sein können/wollen, kann der beste Partner auch nix reißen.

LG
C.
 
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  • #13
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Dieses mal wird's länger. ^^ Ich habe Zweifel, dass "Grundüberzeugungen" der maßgebliche Punkt sind ob wir jemanden anziehend finden.

Grundüberzeugungen sind eher Verstandesleistungen und mögen eine von mir angenommene grundsätzliche Präferenz bei der Partnerwahl überlagern. Das ist mir bei meiner zum Glück abgeschlossenen PS-Suche wieder aufgefallen. Obwohl ich recht genaue und ich denke auch zutreffende Vorstellungen hatte, machte mich eine rationale Betrachtung eher blind. Verlasse ich mich nur auf mein Empfinden, wie auch immer man das bezeichnen mag - finde ich sogar zuverlässig die mich ansprechenden Frauen.
Ein anderes Punkt ist ob das funktionieren kann. Da spielen dann eben Dinge wie meine, ihre Beziehungsfähigkeit, Interessen und Anziehung die entscheidende Rolle.

Da ich nur optional eine Partnerin gesucht hatte, also keine Lust auf grundsätzliche Kompromisse und sehr gut alleine zurecht komme, habe ich erst einmal keine Erwartungen an sie was z.B. materielle Dinge oder Äußeres oder weiteres angeht. Natürlich bin ich nicht frei von Vorlieben, die kann ich aber nicht zum Maß machen, letztendlich erfahre ich den Menschen mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln - und da sind mir "Grundüberzeugungen" ausgesprochen hinderlich!

Rational hat mir diese Parship-Suche deutlich etwas gebracht, aber auch die Erkenntnis, dass ich "Meine" rational kaum finde, mich vollständig auf Sie einlassen muss um zu erfahren ob ich, beispielhaft aber unzureichend ausgedrückt, ihre "Nähe ertrage". Das sind schon nur wenige. Das sind mir ausgesprochen wichtige Grundsätzlichkeiten, das Drumherum ist mir leicht verhandelbar. Da bin ich so flexibel, wie ich es bei den Grundsätzlichkeiten nicht bin.
Ohne das auszuführen hat theoretisch jede 8. Frau dieses mich ansprechende Wesen/diese Anlage. Als über 50-jähriger weiß ich wie wichtig gemeinsame Interessen, d.h. gemeinsames Tun ist. Die im Rahmen des Vernünftigen sinnvolle Alterseingrenzung und dann noch die geringe Chance auf passende "Chemie" machten mir von Anfang an klar, was für ein Glückstreffer eine "passende" Partnerin ist. Für eine solche lohnt sich auch ein großer Aufwand.

Für mich gab es in meinen Beziehungen eine deutliche Häufung von diesen mich ansprechenden Wesenseigenschaften. Ich hatte schon geschrieben, dass diese gegensätzlich zu meinen sind und ich habe anfänglich sehr, sehr viel von meinen Partnerinnen und ihren starken Seiten gelernt. Inzwischen halte ich mich in diesen Bereichen für einigermaßen entwickelt, es ist aber immer noch dieser Typ Frau, der mich glücklich machen kann. Da kann ich so entwickelt sein wie ich will, Sie kann das besser! Es sind ihre Stärken, ich habe andere.

Ich hatte auch mal eine anfänglich geradezu rauschhafte Beziehung. Nachträglich stellte sich unsere ausgeprägte Wesensähnlichkeit heraus, das war Harmonie pur! Die Beziehung hielt drei Jahre, es wurde langweilig, die Spannung aus den Gegensätzen fehlte, keine Reibungspunkte. Das machte sich auch sexuell stark bemerkbar. Keine Spannung.

DbC
 

Lilly29

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  • #14
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Ich will nochmal auf den Begriff "Grundüberzeugung" eingehen, weil ich nicht sicher bin, ob rüber kam, was ich meinte.
Grundüberzeugungen sind nicht die nach aussen gerichteten Einstellungen: Mein Partner sollte so und so sein, sondern die nach innen gerichteten: ich bin nur etwas wert, wenn..., ich bin nur gut, wenn, wenn ich das und das tue, werde ich geliebt...usw.
Diese sind natürlich Kognitionen, jedoch (wie alle Kognitionen) mit dem Gefühl verbunden und häufig nicht bewusst, weil sie meist in der Kindheit erworben werden.
 

Mentalista

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  • #15
Aw: Ot

Zitat von tina*:
Es scheint, als könntest du Hilfe nicht annehmen, wenn der andere nicht ebenfalls „sein Inneres in die Welt ergießt“. Warum empfindest du das als Inszenierung? (ich habe es als sehr wohlwollend wahrgenommen; vermutlich ist das der berühmte „blinde Fleck“).

Um zum Thema zurück zu kommen, ja ich glaube, solange man seine Muster nicht erkannt und bearbeitet hat, dass man immer wieder sich den gleichenTyp von Mensch als Freund/in und Partner aussucht. Das gilt für Frauen und Männer.
 
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Heike

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  • #16
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Die beiden Typen von Menschen, die auch hier in den Diskussionen eine große Rolle spielen, sind ja Mann und Frau. Und ja, diesbezüglich suchen sich viele Menschen für Verliebtheit und Partnerschaft immer den gleichen Typ Mensch aus. Viele Menschen haben diesbezüglich sehr entschieden Präferenzen. Woher sie kommen und wie sie repräsentiert sind, ist sicherlich komplex: angeboren, frühkindliche Erfahrungen, späteres soziales Umfeld bzw. Vorlieben, Abneigungen, Werte, Überzeugungen, Gefühle usw.
Mit anderen Präferenzen dürfte es im Prinzip genauso sein, wobei sich die Gewichtungen natürlich unterscheiden können. Je nachdem könnte es auch leichter fallen, sie zu ändern, und besteht unterschiedlicher Spielraum, sich mit der jeweiligen Präferenz zu identifizieren, sie in hohem Maße als zur eigenen Identität gehörig zu erleben oder eben nicht.
 
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carlo

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  • #17
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Zitat von Lilly29:
.... Grundüberzeugungen sind nicht die nach aussen gerichteten Einstellungen: Mein Partner sollte so und so sein, sondern die nach innen gerichteten: ich bin nur etwas wert, wenn..., ich bin nur gut, wenn, wenn ich das und das tue, werde ich geliebt...usw.....

Ich denke: das Interessante ist ja, wie sich bewusste und unbewusste Motive überlagern. Wissen wir wirklich, warum wir nun den einen oder anderen /die eine oder andere so attraktive finden??? Wer von uns könnte denn sicher sagen, welche seiner bewussten und unbewussten Motive zu welchem Anteil an der Attraktion beteiligt sind ! Ich denke, wir können uns so No-Go-Areas definieren ( "never **** the Company" ....) - und dann mal sehen, ob das dem ersten Ansturm der Gefühle stand hält.... alles andere bleibt doch mindestens teilweise im Nebel unseres "Es" verborgen....

C.
 
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  • #18
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Zitat von Lilly29:
Ich will nochmal auf den Begriff "Grundüberzeugung" eingehen, weil ich nicht sicher bin, ob rüber kam, was ich meinte.
Grundüberzeugungen sind nicht die nach aussen gerichteten Einstellungen: Mein Partner sollte so und so sein, sondern die nach innen gerichteten: ich bin nur etwas wert, wenn..., ich bin nur gut, wenn, wenn ich das und das tue, werde ich geliebt...usw.
Diese sind natürlich Kognitionen, jedoch (wie alle Kognitionen) mit dem Gefühl verbunden und häufig nicht bewusst, weil sie meist in der Kindheit erworben werden.
So kam das tatsächlich nicht rüber. Nachdem ich das das dritte Mal gelesen hatte, finde ich das als Basis einer Partnersuche geradezu erschreckend. Darauf wäre ich nie gekommen!

Das deutete auf ein (sehr) geringes Selbstwertgefühl hin, wenn die "Grundüberzeugung" ist, eigene Liebenswürdigkeit kann nur über Leistungen und Funktionieren erreicht werden. Das war für mich gedanklich zu weit weg, denn gerade davon sollte Partnersuche frei sein.

Mir ist das große Problem eigener Subjektivität und der damit verbundenen endlichen eigenen Objektivität bewusst. Das hat ein ständiges, in seinem Erfolg durchaus zweifelhaftes Sich-selbst-überprüfen zur Folge. Trotzdem würde ich für mich in Anspruch nehmen, meine Lebenspartnerin in ihrem komplementären Wesen nicht wegen meiner Defizite gesucht zu haben, sondern weil ich - hier ist es subjektiv - für "meine Anlage" über Sie eine meinen Horizont erweiternde Ergänzung erfahre.

So wie ich für mich sage, ich bin, ich liebe und werde geliebt, ohne nach den Gründen fragen zu müssen, wüsste ich nicht ^^, dass obig erwähnte Kognitionen bei mir eine Rolle spielten. Wieder sage ich mit gebotener Vorsicht, das scheint mir vernachlässigbar. - Und dann wäre meine unbewusste Partnerwahl sehr grundsätzlich.

Interessanterweise hat meine erste lange Beziehung mit einer Frau mit diesem Wesen mir meine Defizite aufgezeigt und sie mir über ihre schiere Anwesenheit geholfen diese zu entwickeln. Wieder vorsichtig, weil subjektiv, würde ich sagen, da gibt es für mich nicht mehr viel zu entwickeln, d.h. soweit ich das erkenne, bin ich damit ziemlich zufrieden. Es gibt für mich nicht mehr die "Notwendigkeit", trotzdem suche ich mir hartnäckig eine Frau mit diesem komplementären Wesen. Als Grund vermute ich etwas anderes, ihr komplementäres Wesen, mit komplementären Stärken kann mir immer etwas geben, ist immer interessant für mich. Umgekehrt wirke ich mit meinen, vermutlich angelegten, nicht erworbenen Stärken auf Sie - ich hoffe doch und nehme es an, nicht primär mit meinen "Leistungen", meinem "Funktionieren".

Diese Spannung aus gegensetzlichem Wesen finde ich faszinierend, denn Sie hat in ihren Stärken ein Erleben, eine Sicht, die ich nur über Sie in der Tiefe, Intensität erfahren kann - und nicht mehr über die eigene Entwicklung meiner eher schwachen Seite.

Das setzte in gewisser Weise gegebene, unterschiedliche Anlagen voraus und ermöglichte Anziehung über Ergänzung. Wesen wird in der Literatur unterschiedlich aufgedröselt, es wird gestritten ob angelegt oder erworben. Letztendlich wäre der Einzelne über die Ergänzung mit den komplementären Stärken des Anderen "zufrieden" und beide als Paar "vollständig".

Das war die Facette, auf die ich hinweisen wollte.

DbC
 

akki123

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  • #19
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Hallo zusammen.
Vielen lieben Dank für Eure Beiträge.
Dir liebe Authentisch möchte ich besonders danken.Offensichtlich bin ich nicht die Einzige,die mit Heike's Äußerungen ein Problem hat.Sie sind teilweise sehr verletzend und ich lese sie schon gar nicht mehr.
Kurzer Rückblick auf meine letzte Beziehung.
Wir waren nur 2 Monate zusammen,was eigentlich kaum der Rede wert ist.Da sie aber meine erste Beziehung nach 14 Jahren Singledasein war,war sie für mich doch ziemlich einschneidend.
Er war so völlig anders,als die Anderen(dachte ich).
Wir hielten unsere Beziehung geheim,da wir Arbeitskollegen sind.An einem Samstag dann war er ganz euphorisch und sagte mir,daß er es am liebsten allen sagen würde,daß wir ein Paar sind,und wie sehr er mich lieben würde.
Montag's drauf machte er dann schluß,mit der Begründung,daß er das nur gesagt hätte,weil er den Eindruck hatte,daß ich das hören wollte.Häää???
Ich erwarte nichts von einem Menschen,außer,daß er ehrlich ist
Da ich mitten im Leben stehe und nicht den Eindruck habe,daß ich mitleidswürdig rüberkomme,frage ich mich warum ich ständig angelogen werde.
Er hätte doch gar nichts sagen müssen.Erst recht nicht,wenn er es nicht so meint.Ich bin nämlich keine von der Sorte,die ihren Partner fragt:"Liebst Du mich?"
Entweder er sagt es,weil er es fühlt,oder er sollte besser nichts sagen.Also warum überhaupt lügen?
Ich versteh es einfach nicht.
Liebe Grüße
Akki
 

Mentalista

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  • #20
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Zitat von akki123:
An einem Samstag dann war er ganz euphorisch und sagte mir,daß er es am liebsten allen sagen würde,daß wir ein Paar sind,und wie sehr er mich lieben würde.
Montag's drauf machte er dann schluß,mit der Begründung,daß er das nur gesagt hätte,weil er den Eindruck hatte,daß ich das hören wollte.Häää???

Ach liebe Akki, Männer bekommen oft Schiss vor der eigenen Courage. Ich bin mir sicher, dass solche Menschen einen nicht bewusst anlügen, um einen zu verletzten. Sie leben in ihrem eigenen Film, bekommen oft Schiss vor der eigenen Courage, sind heute so und morgen ganz anders. Sei froh, dass er sich rechtzeitg geoutet hat, was er für ein Typ ist. Anscheinend wenig beständig und nicht überlegt.

Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung können sich im positiven, wie auch negativem unterscheiden. Da zu differenzieren und für sich selbst das richtige Maß zu finden ist nicht einfach.

Dir aber letztendlich die A-Karte zuzuschieben und dir die "Schuld" zu geben, dass der Herr sich genötigt fühlt, so eine Aussage machen zu müssen, weil du es angeblich wolltest.... Da muss ich schmunzeln und an einen kleinen Bub denken, der Mami gefallen will, aber dann doch Angst vor der Mami bekommt. Willst du so einen Bub als Mann an deiner Seite haben?

Ich empfehle auch immer wieder, Job ist Job, Liebe ist Liebe. Das zu vermengen birgt eine große Gefahr in sich.

Alles Gute für dich und vergiss den Typen, sei froh, dass er sich so zeitig geoutet hat. Das passiert vielen Frauen erst nach der Heirat.

Mentalista
 

Heike

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  • #21
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Laut Threadthema gehts nicht darum, einen Abwesenden zu diffamieren (dafür gibts ja bereits auch einen Thread zur selben Situation), sondern die Frage, ob man sich immer den gleichen Typ Mensch aussucht. Diese Frage wird man nicht beantworten können, indem man einen Abwesenden diffamiert. Damit mag es einem kurzfristig besser gehen, aber seine Frage kriegt man damit nicht beantwortet. Sie erfordert hingegen eher Selbstreflexion. Und Ehrlichkeit. Die müßte man dann eben nicht nur erwarten, sondern auch aushalten und vor allem auch selbst an den Tag legen. Und ja, der Durchbruch zur Ehrlichkeit kann manchmal schmerzen und verletzen. Sonst hätte man ja kein Problem mit ihr.
 

equinox

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  • #22
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Die Männer sind alle Verbrecher
ihr Herz ist ein finsteres Loch
hat tausend verschied´ne Gemächer
aber lieb , aber lieb sind sie doch

Ein Jüngling trifft sich irgendwo
und brennt wie Stroh
´s ist immer so
dann forscht er ganz diskret
wie´s um die Mitgift steht
Dann spricht er schleunigst mit Papa
und sagt der ja, dann stehst du da
im grünen Myrtenkranz
und freust dich dumme Gans
Kaum bist du eine Woche sein
hast du ihm schon was zu verzeih´n

Die Männer sind alle Verbrecher
ihr Herz ist ein finsteres Loch
hat tausend verschied´ne Gemächer
aber lieb , aber lieb sind sie doch

Das Männchen legt sich eins, zwei, drei
ein Liebchen bei, vielleicht auch zwei.
Trinkt Sekt im Separee
du trinkst zuhause Tee.
Und fährst du nicht mal tüchtig drein.
bild´t er sich ein, es muss so sein.
und kommst du mal in Wut
sagt er: Sei wieder gut
so wird man immer wieder schwach:
ss kommt ja doch nichts Bess'res nach.

Die Männer sind alle Verbrecher
ihr Herz ist ein finsteres Loch
hat tausend verschied´ne Gemächer
aber lieb , aber lieb sind sie doch ...
 

Annette

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  • #23
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Liebe Akki,
es gibt Beziehungsmuster, die sich wiederholen. Wenn man in diesen Beziehungen nicht glücklich war/ist, sollte man sich selbst erforschen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Das Buch "Jein" von Stefanie Stahl empfinde ich als recht aufschlussreich. Es geht darin zwar hauptsächlich um Menschen mit Bindungsängsten, was bei dir und deinen Beziehungen vielleicht nicht der Fall sein mag, jedoch beschreibt die Autorin darin sehr anschaulich diverse Beziehungsmuster und deren Ursprünge. Nachstehend ein Zitat zum Vorwort des Buches: "Eine lange glückliche Beziehung wünschen sich fast alle Menschen aber bei sehr vielen klappt es einfach nicht. Manche verlieben sich anscheinen immer in die Falschen..."

Vielleicht hilft es dir ja, deine Beziehungsmuster zu erkennen und möglicherweise etwas zu verändern.
 
G

Gast

Gast
  • #24
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Zitat von akki123:
Rückblickend auf meine bisherigen Beziehungen stelle ich mir die Frage,ob man sich immer den gleichen Typ Mann(bzw.Frau)für eine Beziehung aussucht.

Er war(nach meiner damaligen Beurteilung)völlig anders,als die Anderen,die ich vor ihm hatte.
Rückblickend und nun realistischer gesehen,hatte ich mir wieder den gleichen Typ Mann ausgesucht,in den ich mich auch die Male davor verliebt hatte.

Eigentlich war ich der Ansicht,daß ich nach einer gescheiterten Beziehung(die nicht immer nett waren)mir einen anderen Typ Mann gesucht habe,weil ich das Erlebte auf keinen Fall wiederhaben wollte.
Leider waren alle unehrlich zu mir und teilweise auch zu sich selbst.

Wir waren nur 2 Monate zusammen,was eigentlich kaum der Rede wert ist.Da sie aber meine erste Beziehung nach 14 Jahren Singledasein war,war sie für mich doch ziemlich einschneidend.
Er war so völlig anders,als die Anderen(dachte ich).

Er hatte trotz seiner erst 26 Jahre ziemliche Potenzprobleme.Ich habe ihn dann einmal gefragt,ob es an mir liegt.Er verneinte das und meinte nur,daß er sich darüber keine Gedanken machen würde.Ich habe ihn dann auch nicht mehr darauf angesprochen und bin mehr auf seine Wünsche im Bett eingegangen.Das brachte aber auch keinen großen Erfolg.

Hallo akki,
ich habe mal ein paar Stellen rausgesucht. Bezieht sich deine Frage, ob du immer den gleichen Typ Mann aussuchst, auf den Umstand, dass alle unehrlich zu dir und teilweise zu sich waren?
Ich glaube ja, dass eine Suche bei sich da mehr bringt als beim anderen. Bist du denn immer ehrlich zu dir selbst? 14 Jahre hast du dir gar keinen Mann ausgesucht. Hat das evtl. etwas damit zu tun?

Zitat von Heike:
Das ist ja genau das Threadthema. Deswegen gerät man ja an bestimmte Typen: weil die einem in einem bestimmten Punkt erstmal gut tun, passen. Wenn sich öfter im Nachhinein herausstellt, dass sie einem doch nicht so gut getan haben, dann kann es angebracht sein, herauszukriegen, welche Bedürfnisse von einem sie erfüllen und welche nicht, also wo sie einem gut tun und wo nicht, und wie der eigene Bedürfnisapparat beschaffen ist, dass es da mit schöner Regelmäßigkeit zu solchen Reibungen kommt. Also dass der in sich gewissermaßen “widersprüchlich” ist. Und wenn man da einiges erfahren hat, kann man sich auch daran machen rauskriegen, was einem auf längere Sicht “wirklich” gut tut, auch wenn es insbesondere zunächst mit einigem Schmerz und Ungemacht verbunden ist.
So sieht’s aus. *seufz*

Musik zum Thema :) https://www.youtube.com/watch?v=1LyoQS0EvcE
 
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akki123

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  • #25
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Ist ja süß,mußte echt schmunzeln:)
Danke dafür!
 

akki123

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  • #26
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Hallo Mentalista.
Das war mir allerdings eine Lehre.Habe damals auch immer gesagt,keine Liebelei mit Kollegen.
Dann ist es doch passiert.Ich empfinde keine Liebe mehr für ihn(wie könnte ich auch)?
Versuche jetzt einfach Schadensbegrenzung für mein Selbstwertgefühl hinzubekommen.
Vielen Dank für Eure Hilfe:)
 

akki123

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  • #27
AW: Sucht man sich immer den gleichen Typ Mensch aus?

Hallo Annette.
Vielen Dank für Deinen Tip.Hoffe es hilft.
Liebe Grüße
Akki