Claudi

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  • #1

Was haben Eure Beziehungsprobleme mit Euren Beziehungserfahrungen im Jugendalter zutun?

Hallo zusammen,
Der schmerzhafte Blick in die Kernfamilie - bin bisher nie bis dahingekommen, es war immer zu schwer. Wie wenn man sich über ein wackeliges Geländer beugt, um in den Abgrund zu schauen, und dann schaudernd zurückweicht. In der Therapie wollte ich immer lieber über meine Männer reden oder das stressige Online Dating oder die anstrengende Situation als Alleinerziehende, die Situation im Job...es gab immer Sachen, die mir mehr auf den Nägeln brannten. Dabei wusste ich eigentlich, ich müsste da mal tiefer schürfen, aber es war zu schwer. Nun zwingen mich die aktuellen Umstände dazu, da mal wieder hinzugucken: eins meiner Kinder ist schwer psychisch erkrankt. Und weil ich zwar keine "Tiger Mum", aber schon aus vollem Herzen Muttertier bin, versuche ich jetzt, für das Kind zu schaffen, was ich für mich selbst nicht geschafft habe. Vielleicht, denke ich mir, rettet es uns ja beide. Und mit einer stabilen Beziehung im Rücken und einem unterstützenden Partner ist es ja vielleicht diesmal auch was anderes als damals. Doch ich merke, wie hoch die Anspannung bei mir ist, das Ringen um Souveränität, eine erwachsene Rolle, die Selbstbehauptung gegenüber meinem Vater und meinem Exmann...der ganze Bodensatz, der aufgewühlt wird. Jaja, die Krise als Chance - aber ich würde wieder am liebsten wegrennen, wenn meine Knie nicht schon Wackelpudding wären. Es ist so (zu?) schwer. Aber es muss sein jetzt, diesmal. Für das Kind. Wie ist das bei Euch? Stellt Ihr Verbindungen her, z. B. was die Beziehung zu Mutter oder Vater mit Eurer Partnerwahl zutun hat? Kennt Ihr das lähmende Gefühl, dass es eine riesige Kraftanstrengung ist, "anders abzubiegen", das heißt, die Geschichte der Kernfamilie nicht zu wiederholen? Welches Narrativ oder welche Glaubenssätze gibt es in Eurer Kernfamilie? Bei uns kann es zum Beispiel passieren, dass der alte Patriarch und Ex-Lehrer den drohenden Zeigefinger gegen seine beiden Ü50 Töchter erhebt und ihnen grimmig zuruft "Eure Kindheit war schön. Merkt Euch das!".
 
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  • #2
Liebe Claudi

Ich mag deine Frage im Moment hier nicht beantworten, aber ich wünsche dir und deinem Kind von Herzen alles Gute!

Aber, wenn ich darüber nachdenke, vielleicht noch dies: Versuche deine Geschichte und diejenige deines Kindes nicht zu vermischen! Klar gibt es da eine Verbindung, die Weiterführung einer Linie, aber was wichtig ist und Prägungen hinterlässt ist das individuelle Erleben in der Kindheit und Jugend. Und da spielen immer auch verschiedene wichtige Bezugspersonen innerhalb und auch Erfahrungen ausserhalb der Kernfamilie eine gewisse Rolle. Deine eigenen unverarbeiteten Gefühle stecken möglicherweise auch in deinem Kind, aber da kommt noch anderes dazu, und dein Kind tickt ganz bestimmt auch anders als du, denn es ist eine ganz eigene Persönlichkeit und nimmt Dinge anders wahr als du. Es ist wichtig, dass du ihm das Recht zugestehst, andere Probleme erlebt zu haben, als du sie als wichtige Ursachen erkennen würdest. Ihr beide solltet eure schwierigen Erfahrungen und daraus folgenden Muster eigenständig anschauen können. Wichtig von deiner Seite für das Kind ist, dass du dich für sein Erleben und seine Bedürfnisse, für seine Wünsche und Grenzen interessierst und es als eigenständiges, von dir unabhängiges Individuum, das aber deine liebevolle Zuwendung, deine Fürsorge, dein zu ihm Stehen (wie es ist!), deine Förderung und Unterstützung braucht. Wenn du ihm helfen willst, solltest du es ernst nehmen und zu verstehen versuchen, worunter es leidet und was es braucht.

Ich bin etwas unsicher, ob ich es einen guten Zeitpunkt - oder gar ein Ausweichen und Ablenken? - finde, dass du ausgerechnet jetzt auch deine eigene Geschichte angehen willst. Dass du das tust, ist natürlich immens wichtig und wenn du dich weniger von alten Problemen getrieben, sondern dich in Gelassenheit und Verbundenheit um dein Kind kümmern könntest, wäre das sicher ideal, aber jetzt hat doch irgenwie das Vorrang, was dein Kind von dir brauchen würde!

Vielleicht versuchst du für dich in erster Linie Dinge zu tun, die dich beruhigen und erden, die dir Klarheit geben können, was es jetzt vordringlich für dein Kind braucht sowie welche Rolle du selbst im Drama deines Kindes bisher gespielt hast und was du darin ändern solltest?

Auf jeden Fall: Alles Gute! Ich hoffe, ihr könnt beide auf einen guten, nachhaltigen Genesungsweg finden.
 

LenaamSee

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  • #3
Dabei wusste ich eigentlich, ich müsste da mal tiefer schürfen, aber es war zu schwer. Nun zwingen mich die aktuellen Umstände dazu, da mal wieder hinzugucken: eins meiner Kinder ist schwer psychisch erkrankt. Und weil ich zwar keine "Tiger Mum", aber schon aus vollem Herzen Muttertier bin, versuche ich jetzt, für das Kind zu schaffen, was ich für mich selbst nicht geschafft habe. Vielleicht, denke ich mir, rettet es uns ja beide. Und mit einer stabilen Beziehung im Rücken und einem unterstützenden Partner ist es ja vielleicht diesmal auch was anderes als damals. Doch ich merke, wie hoch die Anspannung bei mir ist, das Ringen um Souveränität, eine erwachsene Rolle, die Selbstbehauptung gegenüber meinem Vater und meinem Exmann...der ganze Bodensatz, der aufgewühlt wird. Jaja, die Krise als Chance - aber ich würde wieder am liebsten wegrennen, wenn meine Knie nicht schon Wackelpudding wären. Es ist so (zu?) schwer. Aber es muss sein jetzt, diesmal. Für das Kind. Wie ist das bei Euch? Stellt Ihr Verbindungen her, z. B. was die Beziehung zu Mutter oder Vater mit Eurer Partnerwahl zutun hat?
@Claudi
Dein Beitrag hat mich sehr berührt, als ich ihn gelesen habe und ich denke, es wird anderen Foristen auch so gehen.
Einem Kind geht es immer nur so gut, wie es der Mutter geht, sagt man.
Wenn Du also jetzt das dringende Bedürfnis hast, Ordnung in Deinem Inneren zu schaffen, dann gehe es an. Es wird sich auch positiv auf Dein Kind auswirken. (Nur meine eigene Erfahrung).
Mein jüngerer Sohn sagte einmal zu mir: "Mama, du suchst Dir immer die Männer aus, die Dich kaputt machen wollen. (Nachsatz : das wollte der Opa schon)."
Ich schaue also schon sehr gezielt darauf, wen ich da vor mir habe. Mein persönlich wichtigstes Kriterium: Was macht die Beziehung, das Kennenlernen mit meiner Energie?. Das spüre ich mittlerweile schon gleich am Anfang.
Alles Liebe für Dich.
 
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  • #4
Ich bin seit Kind auf in reichhaltigen Fantasiewelten unterwegs und hab immer weitestgehend in mir selbst gelebt. Irgendwann zur Pubertät dann kam der Versuch dazu zu gehören. Ich war nie uncool und wurd immer respektiert, nur Ernst genommen wurde ich nie und konnte auch so nie enge Bindungen aufbauen. Ich werde auch heute immer noch viel ausgelacht, obwohl ich meistens auf Lange Sicht recht behalte. Irgendwann hab ich die Versuche dann über Bord geworfen und wieder in mir selbst gelebt. Mit 18 hatte ich viele Freundeskreise und mehr Geheimnisse als die NSA.

Das ist weitestgehend bis heute so geblieben. Für mich ist es völlig unverständlich, dass ein Mensch Interesse haben könnte an mir und selbst wenn ich lange in Liebesbeziehungen von tiefer Loyalität und innigster Liebe bin, kann ich mich in meine Partnerin nur schwer hineinversetzen. Wobei ich sagen muss, im Alter ist das jetzt extrem besser geworden, da wird man irgendwie noch entspannter.

Das ist eine seltsame Diskrepanz. Ich bin ein guter Netzwerker mit vielen Kontakten sogar aus den unterschiedlichsten Kulturen aber immer nur im Business-Stil. Sobald die Schwelle privat überschritten wird, werd ich blöd.
 
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  • #5
@Claudi
Wie alt ist denn dein Kind?
Ist dir die Krise deines Kindes erst frisch bekannt?

Vielleicht macht ihr (du und dein Kind und der Vater (?) und allfällige Geschwister) eine Familientherapie, und für dich könntest du vielleicht eine körperorientierte Traumatherapie machen. So etwas kann sicher nicht schaden. Aber mich dünkt, die Aufmerksamkeit sollte jetzt auf die Bedürfnisse deines Kindes und auf notwendige Veränderungen, die ihm helfen könnten, gerichtet sein und nicht auf dich und deine Vergangenheit.

Wenn du nun hier einen Thread eröffnest und dich für die Kindheit/Jugend anderer Foristinnen und Foristen und deren Auswirkungen auf ihr Beziehungsleben interessierst, dann geht dein Fokus doch an dem vorbei, worum es nun ganz dringend gehen muss!
 
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mitzi

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  • #6
Bei uns kann es zum Beispiel passieren, dass der alte Patriarch und Ex-Lehrer den drohenden Zeigefinger gegen seine beiden Ü50 Töchter erhebt und ihnen grimmig zuruft "Eure Kindheit war schön. Merkt Euch das!".

Diese Regel ist in dieser Generation fast üblich. Die nächste Generation spürt dadurch bloß die mangelnde Erfahrung im Umgang mit persönlichen Ängsten und befindet sich im Zwiespalt zwischen Kontrolle (klar Papa, mir ging es gut, weil es dir mit mir gut ging). und der Angst vor dem freien Fall in einen vermeintlichen Abgrund.
Ängste zeigen eigentlich den eigenen Weg, ich denke schon.. du kannst das nachholen, wenn es dir jetzt sinnvoll erscheint. :)
 

lila_lila

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  • #9
Wie ist das bei Euch? Stellt Ihr Verbindungen her, z. B. was die Beziehung zu Mutter oder Vater mit Eurer Partnerwahl zutun hat? Kennt Ihr das lähmende Gefühl, dass es eine riesige Kraftanstrengung ist, "anders abzubiegen", das heißt, die Geschichte der Kernfamilie nicht zu wiederholen? Welches Narrativ oder welche Glaubenssätze gibt es in Eurer Kernfamilie?

Ja und ja.
Es gibt Verbindungen zwischen meiner Kindheit und der Partnerwahl. Und ich kenne das Gefühl und ja, es kostet immense Kraft gegen sowas anzugehen. Der Glaubenssatz den ich kenne ist sowas wie "die Eltern sind heilig" nicht nur in meiner Kernfamilie, auch gerne im Kulturkreis. Ich habe vor 4 Jahren angefangen bewusst dagegen zu gehen und bin schon meilenweit gekommen aber es ist noch immer ein Prozess.

versuche ich jetzt, für das Kind zu schaffen, was ich für mich selbst nicht geschafft habe. Vielleicht, denke ich mir, rettet es uns ja beide.
Ich weiss natürlich nicht um welche Zusammenhänge es geht. Im "Normalproblembereich" habe ich die Erfahrung gemacht, dass es absolut so ist, dass ein bei sich aufgelöstes Thema auch dem Kind weiter hilft. Wenn du es für dich schaffst, wird es sicher für euch beide gut sein. Ich wünsche Dir und euch ganz viel Kraft!
 

Claudi

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  • #10
in Gelassenheit und Verbundenheit um dein Kind kümmern k
Liebe authentisch,

Das will ich ganz unbedingt, und ich weiß auch, dass es wichtig ist, für mein Kind stark zu sein. Ich denke nur, es ist nicht möglich, ihre und meine Geschichte zu trennen.
Im Grunde ist mein Kind eins von den Vielen, die blöderweise im Lockdown pubertieren mussten und dabei seelisch Schaden genommen haben. Neben Hormonen, Stimmungsschwankungen und mangelndem Selbstwertgefühl hat ihr die soziale Isolation stark zugesetzt und wahrscheinlich unseren Ablöseprozess empfindlich gestört. Ich will ihr unbedingt helfen, frage mich aber gleichzeitig, ob ich (noch) die richtige Person dafür bin. Vielleicht mische ich mich zu viel ein, und "Bemuttern as usual" ist gerade genau verkehrt. Die Frage, ob ich meine Geschichte mit ihrem akuten Problem vermischen darf, spiegelt im Grunde die unterschiedlichen psychotherapeutischen Ansätze wieder: Es scheint, als ob es nur entweder oder gäbe: Verhaltenstherapeutisch mit dem Patienten im Zentrum aller Maßnahmen, oder systemisch, indem man den ganzen familiären Hintergrund beleuchtet. Einen Mittelweg scheint es da nicht zu geben, oder er ist zumindest etwas unüblich. Ich denke ja nur, ich würde mich nicht davor drücken, das anzuschauen, was mein Anteil an der Ursache für die Erkrankung meiner Tochter sein könnte. Und vom Vater würde ich das im Übrigen auch erhoffen. Und es gruselt mir schon davor, das muss ich auch zugeben.
 

Claudi

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  • #11
@Mr. Hyde: Fantasiewelten sind super für die Resilienz, meine ich beobachtet zu haben. Ich hatte mal einen Partner der hatte auch mehrere solche Holodecks: Star Treck, Planung von Motorradtouren, Computerspiele, schräge Musik. Da drückt man sich als Herzdame dann die Nase von außen an der Schaufensterscheibe platt, weil man da nicht mit rein kann in die Geheimwelt. Gucken ja, anfassen nicht. War Part of the Game und übte eine sehr starke Faszination auf mich aus. Ach, die alten Muster...
 
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  • #12
Falsche Muster, ablassen davon und vergessen !!!!
 

Claudi

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  • #13
@mitzi: Ich will diesbezüglich gar nicht rum memmen: Meine Kindheit war glaube ich, wirklich ok. Aus mir ist was geworden usw. Ich darf mich mit Blick auf ernsthafte Probleme wie häusliche Gewalt, Alkohol, Vernachlässigung überhaupt nicht beschweren. Aber es gab eben Sachen, die waren nicht so toll. Und sind es heute immer noch nicht. Verstörend finde ich, dass ich bis Mitte 20 unterschrieben hätte, bei uns ist alles toll und meine Eltern sind die, die immer die Wahrheit sagen, und die andren sind immer die Lügner. Dass das möglicherweise nicht stimmt, dämmerte mir erst, als ich eine eigene Familie hatte. Und erst vor Kurzem ist mir klar geworden: Bei uns wurden Meinungen als Wahrheiten verkauft. Und es kam regelmäßig zu erbitterten Auseinandersetzungen, wer wann was gesagt hat. Deswegen wurde dann mit Familienmitgliedern gebrochen.
 
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  • #14
Halt die dir warm mitzi, die hat Eier !!
Ich würd ja selbst, wenn ich noch welche hätte
 
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Claudi

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  • #15
Falsche Muster, ablassen davon und vergessen !!!!
Genau, mein jetziger Partner und ich machen die Sachen zusammen. Das ist vielleicht weniger cool, macht aber viel Freude. Wir werden noch ein entzückende, pummeliges, weißhaariges Harzer Wanderkaiserpaar. Da wird Liegestuhl vor Neid erblassen. Den Hund haben wir auch zusammen angeschafft, er zeigt glücklicherweise keine eindeutige Präferenz für einen von uns.
 
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  • #16
Hastdu schon mal darüber nachgedacht deinen jetzigen Partner aufzuessen?
 
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Claudi

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  • #17
Der Glaubenssatz den ich kenne ist sowas wie "die Eltern sind heilig" nicht nur in meiner Kernfamilie, auch gerne im Kulturkreis
Ach ja, Du sollst Deine Eltern ehren das wievielte Gebot war das nochmal? Schwierig. Auf der einen Seite sollte das in einer zivilisierten Gesellschaft so sein. Generationenvertrag. Mitmenschlichkeit usw. Aber im individuellen Fall nimmt einem das die Möglichkeit, sich von schädlichen Einflüssen zu distanzieren. Oder auch nur aus der Position des Kindes mal auf den Tisch zu hauen und Missstände offen anzusprechen. Hast Du deswegen noch manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber den Eltern? Oder fühlt es sich überwiegend gut an?
 
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  • #18
ok, Gebote, jetzt bin ich raus

 

Claudi

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  • #19
Hastdu schon mal darüber nachgedacht deinen jetzigen Partner aufzuessen?
Nö, ich habe so viel Sonnenblumenöl, Weizenmehl und Klopapier gehamstert, dass ich mir daraus einen überlebensgroßen Stutenkerl kneten kann wenn ich will. Will ich aber gerade gar nicht. Und jetzt muss ich schnell schlafen gehen, denn ich möchte das Niveau in meinem Thread noch etwas aufrecht erhalten. Und ich bitte dich sehr, mich dabei zu unterstützen.
 
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  • #20
Dein Thread? Schon lange nicht mehr :)
 
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  • #21
Hier herrscht jetzt Todd
 
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  • #22
Ich kannt ma eine die dacht der Thread wär ihrer, die lebt nicht mehr, die hat der große Arkelanfall gefressen
 

lila_lila

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  • #23
Ach ja, Du sollst Deine Eltern ehren das wievielte Gebot war das nochmal? Schwierig. Auf der einen Seite sollte das in einer zivilisierten Gesellschaft so sein. Generationenvertrag. Mitmenschlichkeit usw. Aber im individuellen Fall nimmt einem das die Möglichkeit, sich von schädlichen Einflüssen zu distanzieren. Oder auch nur aus der Position des Kindes mal auf den Tisch zu hauen und Missstände offen anzusprechen. Hast Du deswegen noch manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber den Eltern? Oder fühlt es sich überwiegend gut an?
Nein, nicht auf diese Weise, glücklicherweise nicht. Das Verhältnis ist auch gut, aber Abnabelung und Abgrenzung waren eher schwierig.
Es ist beides - klar, gibt es solche Momente ab und an, insbesondere wenn ich meine Grenzen rigoros einfordern muss und zum Beispiel ein Telefonat abbreche. Überwiegend ist es gut und ich wünschte ich hätte früher gelernt nein zu sagen.
 

Claudi

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  • #25
wünschte ich hätte früher gelernt nein zu sagen.
Ganz genau. Und da bin ich noch nicht. Das hat viel mit der Eingangsfrage zutun. Meine Abgrenzungsversuche sind holprig und nicht sehr souverän. Das führt dann häufig zu Streit mit meinem Vater. Mich nervt das, ich bin sonst nicht so. Und will es auch nicht gerne sein, so sehe ich mich selbst nicht gerne. Schattenseite halt.
 

lila_lila

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  • #26
Ganz genau. Und da bin ich noch nicht. Das hat viel mit der Eingangsfrage zutun. Meine Abgrenzungsversuche sind holprig und nicht sehr souverän. Das führt dann häufig zu Streit mit meinem Vater. Mich nervt das, ich bin sonst nicht so. Und will es auch nicht gerne sein, so sehe ich mich selbst nicht gerne. Schattenseite halt.
Passiert sowas bei euch telefonisch oder persönlich? Magst du vielleicht ein Beispiel reingeben?

Sprichst/liest du Englisch? Google mal nach Mel Robbins, sie ist ein toller Coach und hat auch viel zu Neustarts & Abgrenzung und bietet auch kostenfreie Programme an.
 
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mitzi

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  • #28
Ganz genau. Und da bin ich noch nicht. Das hat viel mit der Eingangsfrage zutun. Meine Abgrenzungsversuche sind holprig und nicht sehr souverän. Das führt dann häufig zu Streit mit meinem Vater. Mich nervt das, ich bin sonst nicht so. Und will es auch nicht gerne sein, so sehe ich mich selbst nicht gerne. Schattenseite halt.

Du willst halt einen Bruch mit deinem Vater vermeiden. :)
 

pleasure

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  • #29
@mitzi: Ich will diesbezüglich gar nicht rum memmen: Meine Kindheit war glaube ich, wirklich ok. Aus mir ist was geworden usw. Ich darf mich mit Blick auf ernsthafte Probleme wie häusliche Gewalt, Alkohol, Vernachlässigung überhaupt nicht beschweren. Aber es gab eben Sachen, die waren nicht so toll. Und sind es heute immer noch nicht. Verstörend finde ich, dass ich bis Mitte 20 unterschrieben hätte, bei uns ist alles toll und meine Eltern sind die, die immer die Wahrheit sagen, und die andren sind immer die Lügner. Dass das möglicherweise nicht stimmt, dämmerte mir erst, als ich eine eigene Familie hatte. Und erst vor Kurzem ist mir klar geworden: Bei uns wurden Meinungen als Wahrheiten verkauft. Und es kam regelmäßig zu erbitterten Auseinandersetzungen, wer wann was gesagt hat. Deswegen wurde dann mit Familienmitgliedern gebrochen.
Hallo Claudi, schau dir mal Dami Charf " Auch alte Wunden können heilen" an. Oder einen ihrer Podcasts. Es lohnt sich.
 

chrissi22

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  • #30
@Claudi Das ist natürlich ganz schön heftig, wenn es Deinem Kind so wie beschrieben geht. Ich denke, Einfluss hat das eigene Verhalten und die Rolle in der Kernfamilie zwar auf die Kinder aber psychische Krankheit ist nochmal eine andere Ebene. Meine Tochter hatte mal eine Angsstörung, der Verfolger hinter ihr war meine eigene Angst vor Verlust und ich konnte ihr da nicht direkt helfen, nur mir und ihr damit indirekt. Aber da hat eine einfache Therapie gereicht, um die Störung zu lösen. Bei meiner Freundin hatte die Tochter eine Veranlagung und die psychische Krankheit ist in der Pubertät ausgebrochen, aber erzeugt hat die Familie sie nicht. Ich kann mich grad nicht richtig ausdrücken, aber ich hoffe Du verstehst den Unterschied zwischen Muster weitergeben und Krankheit. Bei letzterem sind die Mittel der Mütter leider beschränkt, so wie wenn Dein Kind Lungenentzündung bekommt, kannst es auch nur ins KH bringen und hernach pflegen. Ach Mensch, ich drücke die Daumen, dass es Deinem Kind bald besser geht.
Da Du Angst vorm "Abgrund" hast: Meiner Mutter hat eine Therapeutin mal gesagt, es hat nicht immer Sinn, den Urgrund aufzuwühlen, gerade wenn man Ü50 ist, manchmal reicht es und hilft eine Bewusstmachung und Verhaltensänderung, aber wenn es Dich ohnehin quält, dann fass es Schritt für Schritt an. Soweit wie es eben geht. Alles Gute!
 
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